Repaircafé - nachhaltiger geht kaum

Reparieren vs. neu kaufen


Repaircafé - mycleanlife
Repaircafé - mycleanlife

 

Wie aus kaputt ganz wird und man zufällig noch neues lernen kann. Ein Repaircafé ist ein ganz besonderer Ort.


Mir ist bei meinem Frühjahrsputz meine Kaffeemaschine aufgefallen, die ich schon seit längerem verkaufen wollte. Ein paar Handgriffe hier und ein bisschen geputzt da, schon hatte ich sie kaputt gemacht. Welch schöner Zufall für mich, dass mir kurz darauf ein Hinweis auf die nächste Repaircafé- Veranstaltung aufgefallen ist. Ich war noch nie in einem Repaircafé und war wirklich neugierig, denn erst 2013 fingen die ersten Cafés an die niederländische Grenze zu überqueren und sich weltweit auszubreiten. Schätzungsweise konnten dadurch im Jahr 2015 200.000 Kilogramm CO2 Ausstoß gespart werden. Reparieren anstatt neukaufen ist also nicht nur sparsam für den Geldbeutel - genau das Richtige für mich!

Repaircafé - mycleanlife
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Am Samstag stand ich nun, mit meiner Kaffeemaschine, vor der großen Hofeinfahrt in Köln- Nippes. Die Wegweiser führten in Richtung Hinterhaus und mein erster Gedanke war 'ist das hübsch hier'! Niedliche, kleine Balkone, ein paar Fahrräder und frisches Grün in den Bäumen, luden mich regelrecht ein in die Dingfabrik, von der die Repaircafé- Veranstaltungen angeboten werden.

Im Eingangsbereich konnte ich schon ein paar Stimmen aus dem Keller hören, die fleissig am werkeln zu sein schienen. Im Keller angekommen, begegneten mir direkt ein paar Werkbänke und ich konnte die ersten Teilnehmer ausmachen, die in kleinen Grüppchen über Elektroteilen hingen. Regelrecht erstaunt war ich von der Größe der Räumlichkeiten! Später wurde mir noch erklärt, was man alles in der Dingfabrik machen kann. Von Siebdruck über Nähen, Holz- und Elektroarbeiten kann man hier alles mögliche ausprobieren und erlernen.

Bevor ich mir nun aber einen Tisch suchen konnte, habe ich erst einmal einen Teilnehmerzettel ausgefüllt - zum zählen, wie viele Teilnehmer die Veranstaltung hat, vermutlich. So richtig wusste ich zwar nicht an wen ich mich wenden muss aber ein "Such' Dir einfach einen freien Platz und dann schau mal, wer so aussieht als hätte er Ahnung!" war so einladen freundlich, dass ich mich direkt wohl gefühlt habe. Also, Platz gesucht, Kaffeemaschine ausgepackt und umgeschaut, wer hier wohl Ahnung haben könnte. Ich habe mal ganz stark vermutet, dass die mit den Werkzeugkoffern auch die mit der Ahnung, naja, jedenfalls die mit der Verantwortung hier sind. Von schräg gegenüber, natürlich am Werkzeugkoffer, kam direkt die Frage "Was brauchst Du?", war mir mal gleich sympathisch. Auf "Einen Torx-Schraubendreher, meiner zu Hause ist zu groß." kam auch gleich "Hier, probier den mal". Ich war natürlich schon ein wenig stolz auf mich, dass ich mit dem Wissen um einen 'Torx-Schraubendreher' glänzen konnte. Aber irgendwie stieß das hier nicht auf viel Resonanz und ich dachte mir, wie toll das ist, denn sonst wird man als Frau, die sich mit Handwerkssachen auch nur etwas auszukennen scheint, komisch angesehen. Ich fand es sehr angenehm, direkt so nett integriert zu werden.

Glücklicherweise passte der Torx-Schraubendreher dann auch direkt und ich konnte mich an die Reparatur meiner Kaffeemaschine machen, und sie war nicht allein, denn Kaffeemaschinen zu reparieren schien an diesem Nachmittag trend zu sein. Neben den drei zu reparierenden Kaffeemaschinen im Raum wurde auf Platinen gelötet und gesteckt, ein Fernseher repariert und allerhand mehr. In einer anderen Ecke gab es gegen eine Spende Waffeln, Kuchen und Kaffee, man konnte sich richtig wohl fühlen. Ich fand es schon fast schade mit meiner Reparatur so schnell fertig zu sein, denn das Alles erinnerte mich so sehr an meinen Werkunterricht in der Grundschule, der Holzgeruch inklusive. Wie ich dann noch erfahren durfte, kann man in der Dingfabrik Mitglied werden für 23€ im Monat und die Werkstatt jeden Tag nutzen oder man kommt Freitag Nachmittag und kann sogar kostenfrei werkeln. Falls man einfach mal drauf los bauen möchte, stehen in einer Ecke Holzreste, die man sich einfach nehmen und anfangen kann. 

Mich hat dieser Nachmittag überraschenderweise begeistert und ich kann der Dingfabrik nur wünschen, dass es viele Teilnehmer für ihre Workshops und das Repaircafé gibt, um diese nette Einrichtung lange zu erhalten. Wer möchte, kann sich auch durch Spenden materieller und finanzieller Art beteiligen aber wirklich Leben kommt natürlich immer nur durch Mitmachen zu Stande. Also, schaut nach defekten Elektrogeräten in eurem Keller oder anderen Dingen, die eine Überholung benötigen und besucht das Repaircafé, dass alle zwei Monate stattfindet. 

Ich hoffe, euch hat der Artikel gefallen. Nachhaltigkeit kann uns auf vielen Wegen begegnen, also immer die Augen aufhalten und neugierig sein :)

Eure Stephanie!

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